Neue Abgasnormen: Euro 6e und Euro 7

Zum 1. Januar 2026 greift zunächst die zweite Stufe der Abgasnorm Euro 6e für neu zugelassene Pkw, die als Übergang zur strengeren Euro-7-Norm gedacht ist. Für Autofahrer unterscheidet sich der Alltag dadurch zunächst kaum, aber für Hersteller verschärfen sich Prüfbedingungen und die Kontrolle der Emissionen über die gesamte Lebensdauer eines Fahrzeugs. Die eigentliche Zäsur kommt dann Ende 2026: Ab dem 29. November 2026 müssen neu entwickelte Pkw und leichte Transporter (auch Modelle mit frischer Typgenehmigung) die Anforderungen der Euro-7-Norm erfüllen. Ein Jahr später, ab dem 29. November 2027, gilt Euro 7 dann für alle Neuzulassungen dieser Fahrzeugklassen, auch für bereits bekannte Modelle, die weiterverkauft werden.

Was Euro 7 konkret stärker macht

Im Vergleich zur heute dominierenden Euro-6-Norm verschiebt Euro 7 an vielen Stellen nicht spektakulär die Grenzwerte für klassische Schadstoffe wie Stickoxide oder Kohlenmonoxid, sondern vor allem den Messrahmen verschärft . Künftig müssen moderne Abgasreinigungssysteme ihre Wirksamkeit deutlich länger zuverlässig nachweisen – die Rede ist von mindestens 160.000 Kilometern oder acht Jahren, teilweise sogar darüber hinaus, um Manipulationen oder ein „Auseinanderfallen“ der Emissionskontrolle im Alltag zu verhindern. Stärker wird auch die Erfassung ultrafeiner Partikel sein, die bisher oft durch das Messrasterfelden: Euro 7 schreibt Messungen ab einer Größe von zehn Nanometern vor, was besonders bei Benzin-Direkteinspritzern und leistungsstarken Motoren eine Rolle spielt.

Das Neue wirklich an Euro 7 ist, dass nicht nur das Abgasrohr – die klassische „Auspuff-Emission“ – betrachtet wird. Die Norm bezieht sich erstmals auf Abriebpartikel von Reifen und Bremsen , also Schadstoffe, die unabhängig vom Antrieb entstehen und bisher kaum reguliert waren. Dafür werden eigene Grenzwerte festgelegt, die in der Praxis etwa ab 2030 bzw. 2035 scharf sein sollen und Hersteller zwingen, Materialien und Konstruktionen von Reifen und Bremssystemen anzupassen. Damit rückt Euro 7 weg vom reinen Fokus auf Verbrennungsmotoren hin zu einem umfassenden Blick auf die Umweltbilanz eines Fahrzeugs – auch Elektroautos werden dann über Reifen- und Bremsabrieb emissionsrechtlich stärker adressiert.

Auswirkungen auf E-Autos und Batterien

Euro 7 bringt für Elektroautos und Plug-in-Hybride eigene Anforderungen mit sich, die über die Abgasfrage hinausgehen. Erstmals werden Mindestanforderungen an die Haltbarkeit der Traktionsbatterie festgelegt: Nach einer bestimmten Laufleistung und Nutzungsdauer muss noch ein definierter Prozentsatz der ursprünglichen Kapazität verfügbar sein. Die genauen Schwellenwerte variieren je nach Fahrzeugkategorie, zielen aber darauf ab, dass die Batterie nicht nach wenigen Jahren minimal abbaut und damit Reichweite und Wert des Fahrzeugs massiv sinken. Für Autofahrer kann das langfristig ein Vorteil sein, weil Hersteller ihre Zellchemie, Kühlung und Batteriemanagementsysteme robuster auslegen und so die Alltagstauglichkeit von E-Autos verbessern müssen.

Gleichzeitig verlangt Euro 7 eine bessere Überwachung und Dokumentation von Emissionen und relevanten Daten – bei E-Autos auch eher im Hinblick auf Energiefluss, Batteriezustand und Rekuperationsverhalten. Für Leasing- und Flottenfahrzeuge könnte das bedeuten, dass Vertragsmodelle stärker an tatsächlich gemessene Nutzungsmuster und Degradation angepasst werden; Für private Käufer ist es interessant, dass ein „Batteriezeugnis“ beim Verkauf zur Norm werden könnte, um nachzuweisen, dass das Auto die Euro-7-Vorgaben zur Haltbarkeit erfüllt.

Was bedeutet das für den Autokauf?

Für Autofahrer, die 2026 oder 2027 einen Neuwagen kaufen wollen, lohnt sich ein genauer Blick auf den Zeitplan . Wer ein Modell erwirbt, das noch nach Euro 6e zugelassen ist, möglicherweise von niedrigeren Anschaffungskosten, fährt aber in einigen Jahren mit einer Abgasnorm, die nicht mehr dem aktuellen Standard entspricht. Das muss nicht sofort zu Fahrverbote führen – die sind für Euro-6-Fahrzeuge derzeit nicht absehbar –, kann aber beim Wiederverkauf eine Rolle spielen, wenn Käufer gezielt nach Euro-7-Fahrzeugen suchen. Umgekehrt können Euro-7-Autos etwas teurer sein, bieten aber die Sicherheit, dass sie dauerhaft den strengsten geltenden Normen entsprechen und bei Umweltdebatten besser dastehen.

Für Dienstwagenfahrer und Flottenbetreiber sind die Effekte oft direkter: Hier schlagen sich strengere Normen in TCO-Berechnungen, Steuer- und Abschreibungslogik sowie in Beschaffungsrichtlinien nieder. Wer große Stückzahlen abnimmt, wird die Mehrkosten pro Fahrzeug durch Euro-7-Technik genau gegen mögliche Vorteile abwägen – etwa geringere Umweltabgaben, eine bessere CO₂-Bilanz im Nachhaltigkeitsbericht und höhere Restwerte am Ende der Laufzeit. Auch private Käufer sollten sich vom Händler erklären lassen, welche Norm das Wunschmodell erfüllt, wie lange Abgasreinigung und Batterie ihre Sollwerte einhalten müssen und wie sich das auf Garantiebedingungen auswirkt.

Alltagsfolgen: Steuern, Spritpreise und Fahrverbote

Unmittelbare steuerliche Umstellungen knüpfen an Euro 7 zwar noch nicht im Detail an, aber die Tendenz ist klar: Je strenger die Norm, desto eher können Staaten Kfz-Steuer und andere Abgaben an Emissionsklassen koppeln. Schon heute spielt der CO₂-Ausstoß bei der Kfz-Steuer eine zentrale Rolle, und mit der Einführung von Euro 7 lassen sich Feinjustierungen – etwa höhere Belastung für ältere, weniger saubere Fahrzeuge – einfacher politisch begründen. Hinzu kommt die ohnehin ansteigende CO₂-Bepreisung bei Benzin und Diesel, die Tanken 2026 noch einmal etwas teurer macht, unabhängig von der Euro-Norm.

Fraglich ist, ob einzelne Städte künftig Umweltzonen oder Zufahrtsbeschränkungen einführen, die sich explizit an den Euro-7-Standards orientieren. Direkt angekündigt sind solche Maßnahmen derzeit nicht, doch der Druck auf Kommunen, Luftqualitäts- und Klimaziele einzuhalten, wächst weiter. Für Autofahrer heißt das: Wer in Ballungsräumen unterwegs ist und von Umweltpolitik betroffen war (zB Diesel-Fahrverbote in der Vergangenheit), sollte die Entwicklung aufmerksam verfolgen und bei einem geplanten Fahrzeugwechsel die Normstufe stärker in die Entscheidung einbeziehen.

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